Ich weiß, was du beim letzten Klick getan hast
Ein hervorragender Artikel in der FTD von Katrin Elger und Arndt Ohler…
“Wer gern im Web surft, sollte besser kein Problem damit haben, viel von seiner Privatsphäre preiszugeben. Denn die Spuren, die ein Nutzer hinterlässt, werden immer hartnäckiger von der Werbeindustrie verfolgt. Sucht etwa ein Kunde in einem Internetportal wie Yahoo nach Tipps für die Entfernung von Tintenflecken, wird dieses Interesse so schnell nicht mehr in Vergessenheit geraten: Beobachtet dieselbe Person zu einem späteren Zeitpunkt bei “Yahoo Finanzen” Aktienkurse, erscheint - wie von Zauberhand - erneut Waschmittelwerbung.
“Behavioral Targeting”, sprich Personifizierung von Werbung, heißt die Strategie, die Onlinewerbung für viele Unternehmen so interessant macht. Die Branche jedenfalls hat sich in einen regelrechten Kaufrausch gestürzt. Insgesamt knapp 10 Mrd. $ gingen in den vergangenen Wochen für Werbetechnikanbieter über den Tisch. Google erstand für 3,1 Mrd. $ die Onlinewerbeplattform Doubleclick, Microsoft gab 6 Mrd. $ für die Onlinewerbefirma Aquantive aus, und AOL erstand den deutschen Technikdienstleister Adtech.

Die Portale und Technologiedienstleister hoffen, durch die gezielte Steuerung der Werbung in Echtzeit, bei der die Nutzerdaten anonym gesammelt werden, viele neue Kunden zu gewinnen. Während Versicherungs-, Reise- sowie Autokonzerne seit Langem Geld für Onlinewerbung ausgeben, haben Konsumgüterhersteller wie Procter & Gamble mit Marken wie Pampers oder Ariel erst seit Kurzem damit begonnen, mehr in diese Werbeform zu stecken. Ein Grund für das steigende Interesse sind neue Technologien. Bislang war es schwierig, inhaltlich passende Websites zu finden, auf denen sich im großen Maßstab erfolgreich für Waschmittel oder Windeln werben lässt.

Nun aber sollen Technologien von Doubleclick, Yahoo oder Aquantive und deutschen Anbietern wie Wunderloop oder Nugg-AD Aufschluss darüber geben, welche Nutzer sich für solche Produkte interessieren. “Wir gehen davon aus, dass in den kommenden zwei bis drei Jahren die Display-Werbung zu 50 Prozent verhaltensorientiert gesteuert wird”, sagte Michael Kleindl, der mit Skype-Mitgründer Niklas Zennström zu den Wunderloop-Investoren gehört.
Vorteil der Transparenz
“Es gibt eine ganz klare Verschiebung hin zu diesen Werbeformen”, sagte auch Michael Fischer, Experte für Onlinewerbung bei der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton. Der besondere Charme dieser Werbung liege darin, dass sie den Werbetreibenden viel mehr Transparenz liefere.”